Ratgeber

Wie viele Kilometer kann man pro Tag segeln?

Mit einem normalen Charterboot kann man im Schnitt 40 bis 55 Kilometer am Tag segeln. Das sind rund 20 bis 30 Seemeilen und entspricht vier bis sechs Stunden auf dem Wasser.

Diese Zahl ist nicht zwingend vom Revier abhängig. Sie gilt für das Mittelmeer, zum Beispiel Kroatien, genauso wie für Ostsee oder Nordsee, und die Bootslänge hat nur geringe Auswirkungen. Die zurückgelegte Strecke ist weniger von der Höchstgeschwindigkeit begrenzt, sondern eher davon, wie lange eine Crew durchhält und wie das Wetter ist.

Wer 24 Stunden inklusive Nachtfahrt durchsegeln möchte, schafft auch 185 bis 280 Kilometer pro Tag. Ein entspannter Urlaubstörn liegt eher bei 25 Kilometern pro Tag. Mehr dazu in der Tabelle weiter unten.

Warum Segler nicht in Kilometern rechnen

An Bord wird in Seemeilen gerechnet, nicht in Kilometern. Eine Seemeile sind 1,852 Kilometer. Das hört sich erst einmal umständlich an, hat aber einen Grund.

Eine Seemeile entspricht genau einer Bogenminute Breite. Die Breitenskala ist auf jeder Seekarte am linken und rechten Rand zu finden. Wer eine Strecke analog messen will, greift sie mit dem Zirkel auf der Karte ab und hält ihn an den Kartenrand. Ein Kilometer hat auf einer Seekarte keine solche Entsprechung, deshalb hat er sich an Bord nie durchgesetzt.

Die Geschwindigkeit heißt entsprechend Knoten und bedeutet Seemeilen pro Stunde. Eine typische Charteryacht segelt mit ungefähr 5 bis 7 Knoten, also 9 bis 13 Kilometer pro Stunde. Das ist an Land ein gemütliches Fahrradtempo, und genau diese geringe Geschwindigkeit überrascht die meisten beim ersten Segeltörn am stärksten. Ein Segelboot fühlt sich schnell an. Es ist es nicht.

Die einfache Faustformel für unterwegs: Knoten mal zwei ergibt ungefähr Kilometer pro Stunde. Bei 6 Knoten sind es genau genommen 11,1 km/h, mit der Faustformel kommt man auf 12. Für die Törnplanung und zum Ausrechnen, wie viele Kilometer am Tag gesegelt werden können, reicht das völlig.

Richtwerte nach Tagestyp

TagestypSeemeilenKilometerZeit auf dem Wasser
Gemütlich, mit Badestopp10 bis 1520 bis 282 bis 3 Stunden
Normaler Törntag20 bis 3040 bis 554 bis 6 Stunden
Lange Etappe40 bis 5075 bis 908 bis 10 Stunden
Nachtfahrt, 24 Stunden100 bis 150185 bis 280durchgehend, mit Wachplan

Für eine Charterwoche heißt das: Wer jeden Tag eine normale Etappe fährt, kommt auf ungefähr 250 bis 350 Kilometer, inklusive Rückweg zum Ausgangshafen.

Ein Hinweis zur Zeile ganz unten. Eine Nachtfahrt ist keine gesteigerte Tagesetappe, sondern es wird ein kompletter Tag von 24 Stunden durchgesegelt. Bei Chartertörns sind Nachtfahrten eher selten, da auch über Nacht das Cockpit immer mit Crew besetzt sein muss und es dem Skipper deutlich mehr Konzentration abverlangt. Irgendwann muss der verpasste Schlaf nachgeholt werden, und das passiert meist am nächsten Tag. Etwas ungünstig für einen reinen Urlaubstörn.

Törnplanung war noch nie so einfach

Routen frei einzeichnen, die Seemeilen rechnen sich von selbst. Die fertige Route teilst du unkompliziert mit der ganzen Crew, und jeder kann nachvollziehbar eigene Vorschläge eintragen.

Routenplanung in Skipper Connect: Seekarte mit mehreren eingezeichneten Routen und den zugehörigen Seemeilen

Was beeinflusst, wie viele Kilometer man pro Tag segeln kann

Das Wetter: Windstärke, Windrichtung und Wellen

Das Wetter hat den größten Einfluss darauf, wie viele Kilometer man pro Tag segeln kann. Ein Segelboot kann nicht direkt in den Wind fahren. Liegt das Ziel in Windrichtung, muss die Yacht im Zickzack kreuzen, also abwechselnd schräg nach links und rechts. Der tatsächlich gefahrene Weg wird dabei rund ein Drittel länger als die Strecke auf der Karte. Aus 40 geplanten Kilometern werden 55 gefahrene, und aus vier Stunden werden sechs.

Gleichzeitig bestimmt die Windstärke, wie schnell das Boot segeln kann. Es ist selten der Fall, dass über viele Stunden dieselbe Windstärke herrscht. So kann es sein, dass der Wind zwischendurch nachlässt und das Schiff deutlich langsamer segelt.

Auch Strömung und Wellenhöhe haben einen Einfluss. Fährt man gegen die Strömung und hat die Wellen direkt am Bug, verlangsamt sich das Schiff. Mit Strömung und Welle von hinten ist man deutlich schneller, und die Wellen können die Yacht sogar anschieben.

Wer eine Woche plant, sollte deshalb wissen, aus welcher Richtung Wind, Strömung und Welle im Revier üblicherweise kommen, und so planen, dass am letzten Tag nicht dagegen gearbeitet werden muss.

Die Ankunftszeit im Hafen

In der Hauptsaison sind die Liegeplätze beliebter Marinas am späten Nachmittag sehr begehrt. Wer sicher einen Platz will, sollte gegen 16 Uhr da sein. Rechnet man rückwärts, bleibt für die Etappe meist ein begrenztes Zeitfenster, lange bevor Wind oder Boot eine Grenze setzen. Wer in Buchten ankert statt Marinas anzulaufen, ist hier deutlich freier, aber auch dort füllen sich die Plätze am Nachmittag und Abend schnell.

Die Crew

Sechs Stunden Schräglage, Spritzwasser, Sonne und Wind sind anstrengender, als Einsteiger vorher glauben. Nicht wegen der körperlichen Arbeit beim Segeln, sondern weil der Körper permanent das Gleichgewicht hält und die Sonne über dem Wasser doppelt wirkt.

Hier ist der Skipper gefragt, eine gute Balance zu finden. Es hat sich gezeigt, dass kleinere Etappen am ersten Tag sinnvoller sind. So kann sich eine unerfahrene Crew auf das Leben an Bord einstellen, und der Skipper kann besser abschätzen, wie viele Kilometer pro Tag er ihr zumuten kann.

Der Motor

Flaute gehört zum Segeln. Dann läuft die Maschine, und die Yacht fährt planbare 5 bis 6 Knoten. Die meisten Charterwochen bestehen aus einer Mischung, und viele Crews motoren deutlich mehr, als sie vorher gedacht hätten. Motoren macht die Planung leichter, aber auch lauter.

Die vier häufigsten Planungsfehler

Auf der Karte nur Luftlinie messen

Die Karte zeigt die kürzeste Verbindung. Gesegelt wird selten der kürzeste Weg. Zwischen zwei Punkten liegen Untiefen, Sperrgebiete und Fähren, und die Windrichtung spielt auch eine Rolle. Ein Zuschlag von 20 bis 30 Prozent auf die gemessene Strecke ist eine realistische Planungsgröße.

Den ersten Tag voll verplanen

Am Anreisetag stehen Bootsübernahme, Einkauf und Sicherheitseinweisung an. Realistisch bleiben zwei bis drei Stunden Fahrzeit am Abend, häufig weniger. Viele Crews bleiben deswegen die erste Nacht im Ausgangshafen, und das ist meist eine gute Entscheidung.

Den Rückweg vergessen

Die Yacht muss am letzten Abend zurück im Ausgangshafen liegen. Wer die Hinstrecke maximiert, fährt die Rückstrecke unter Zeitdruck, und Zeitdruck ist auf einem Segelboot die häufigste Ursache für schlechte Entscheidungen. Als Faustregel: Am Mittwochabend sollte die Yacht dort sein, wo sie in drei entspannten Etappen zurückkommt.

Keinen Ausweichhafen einplanen

Am Ende entscheidet nicht die Distanz, sondern wo abends ein Platz frei ist. Deshalb ist es sinnvoll, immer auch mit alternativen Liegeplätzen zu arbeiten. Ist alles voll, muss der Skipper einen klaren Plan haben. Wenn die Alternative 20 Seemeilen weiter weg liegt, sorgt das für schlechte Stimmung an Bord.

Häufige Fragen

Wie weit kann man pro Tag segeln?

Bei zwölf Stunden Fahrzeit und guten Bedingungen sind 70 bis 90 Kilometer machbar, das entspricht 40 bis 50 Seemeilen. Wird durchgehend gesegelt, also mit Wachplan über 24 Stunden, sind 185 bis 280 Kilometer realistisch. Das ist allerdings die Obergrenze für eine geübte Crew, nicht die Planungsgröße für einen Urlaubstörn. Wer im Urlaub jeden Tag ans Limit geht, hat am Ende der Woche viel Strecke und wenig gesehen.

Wie lange braucht ein Boot für 100 km?

100 Kilometer sind rund 54 Seemeilen. Bei 6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit sind das etwa neun Stunden, bei 5 Knoten knapp elf, bei 7 Knoten gut acht. Muss dabei gekreuzt werden, kommen zwei bis drei Stunden dazu. 100 Kilometer sind damit eine lange Etappe, die einen kompletten Tag füllt und einen frühen Start verlangt.

Ist Segeln körperlich anstrengend?

Kraft braucht es selten. Die Winschen sind übersetzt, und die wirklich schweren Momente dauern Sekunden, etwa beim Anlegen oder beim Setzen des Ankers. Anstrengend ist etwas anderes: Der Körper gleicht stundenlang die Bewegung des Bootes aus, dazu kommen Sonne, Wind und Salz. Die meisten Menschen sind nach einem Segeltag müde, ohne sagen zu können, wovon. Für eine normale Urlaubscrew ist das gut machbar. Wer schlecht schläft oder zu Seekrankheit neigt, merkt es ab dem dritten Tag deutlicher.

Wie viele Stunden segelt man am Tag?

Auf einem normalen Törn vier bis sechs. Das passt zu einem Aufbruch nach dem Frühstück, einem Badestopp mittags und einer Ankunft am frühen Nachmittag. Alles darüber wird für eine Urlaubscrew zur Arbeit, und die Stimmung an Bord ist am Ende wichtiger als die Strecke.

Kann man nachts durchsegeln?

Ja, mit Wachplan und ausgeruhter Crew. Üblich sind Wachen von zwei bis vier Stunden, damit jeder zwischendurch echten Schlaf bekommt. Auf einer Charterwoche im Revier ist die Nachtfahrt die Ausnahme, auf Überführungen und langen Schlägen die Regel. Für eine Crew, die sich am Samstag zum ersten Mal getroffen hat, ist sie keine gute Idee.

Wie viel schafft man in einer Woche?

Bei entspannter Planung 250 bis 350 Kilometer als Rundtörn, also mit Rückkehr zum Ausgangshafen. Mehr ist möglich, geht aber unmittelbar von Liegezeit und Landgang ab.

Ist ein größeres Boot schneller?

Meistens ja, aber weniger deutlich als erwartet. Bei Verdrängerbooten hängt die Höchstgeschwindigkeit an der Länge der Wasserlinie, und zwar nicht linear. Ein 15-Meter-Boot ist typischerweise ein bis zwei Knoten schneller als ein 10-Meter-Boot. Über einen Segeltag macht das rund 10 bis 20 Kilometer aus, spürbar, aber kein anderer Törn.

Die Route ist nur die halbe Planung.

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